Am Freitag Abend ging's los. Das Packen war die erste Herausforderung, denn
auf dem Programm standen immerhin reiten, schießen, jagen, Motorrad fahren und
Gottesdienst. Und ich kann gleich mal sagen, dass wir alles durchgezogen
haben!! Jawohl! Es sind sogar noch einige interessante Details dazu
gekommen..:)
Nach sechs Stunden Busfahrt quer durch's Land sind wir morgens um fünf
in der Stadt Loma Plata (Kolonie Menno)
angekommen. Von dort ging’s weiter in ein kleines Dorf in dem eine Freiwillige
wohnt und bei der wir übernachtet haben.
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Flaschenbaum |
Noch recht verballert von der langen Busfahrt und der doch sehr frühen
Uhrzeit ging's natürlich nicht ins Bett, sondern direkt mal die Umgebung
erkunden. Ich muss sagen, dass mich alles direkt umgehauen hat. Es ist so
abartig schön im Chaco! Einfach nichts außer einer riesigen Weite; geraden
Straßen ohne Kurven, die nicht geteert sind (bis auf die Hauptstraße im Ort),
sondern nur sandig sind und total viel Staub aufwirbeln; flache Wiesen und
Felder soweit man sehen kann; Flaschenbäume; keine Straßenlaternen; viel Platz
ums Haus (die nächsten Nachbarn wohnen ca. 200 Meter entfernt).
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging's dann auch gleich mal auf's Motorrad
- okay ich hab mit nem Roller angefangen und bin erst später auf's Motorrad
umgestiegen, aber - igual no más. Zwar bin ich ja schonmal auf einem Motorrad mitgefahren,
aber selbst fahren ist einfach um einiges besser.
Nachdem ich mit den vielen PS starken Maschinen schon einigermaßen zurechtkam
bin ich auf das gute alte, nur 1PS leistungsstarke Fortbewegungsmittel
umgestiegen - das Pferd. Im Schritt ging das auch noch ganz gut. Als das Pferd
dann aber irgendwann angefangen hat zu galoppieren ist es mir etwas unheimlich
geworden und ich bin lieber wieder auf's Motorrad umgestiegen:) Einfach hammer
das Gefühl damit durch die Gegend zu pesen! Leider ist es etwas schwierig auf
sandigen Untergrund zu fahren und deshalb hat's Diana und mich einmal gelegt.
Mehr als eine Schürfung am Knie und blaue Flecken hat's aber nicht gegeben. Das
Problem war eher, dass das Motorrad danach nicht mehr anspringen wollte. Da
standen also zwei blonde Mädels im Nirgendwo, keine Menschenseele zu sehen, in
der prallen Mittagshitze und ihr Motorrad spingt nicht mehr an. Also was tun?
Natürlich Motorrad schnappen und nach Hause schieben. Das haben wir dann auch
gemacht:) Nachdem wir zwei Autofahrern erklärt haben, dass wir keine Hilfe
brauchen und schon wissen was das Problem ist (der Tank war nämlich leer!)
kamen wir dann doch irgendwann wohlbehalten an unserem Ziel an:D
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Dina, ich, Angelika und Nadine |
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mein erster Versuch:) |
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da war der Baum wohl etwas zu niedrig^^ |
Anschließend haben wir uns mit anderen Jugendlichen aus dem Chaco getroffen
und sind an einen See gefahren - natürlich mit Jeeps und wir standen/saßen alle
hinten auf der Ladefläche. Da wir noch etwas Zeit hatten haben wir unterwegs
mal kurz angehalten und haben mal eben so vom Straßenrand aus mit ner 22er auf
einen Baum geschossen. Ich glaub ich hab den Baum zwar nicht getroffen, weil
ich auf die Blätter gezielt hab;D, aaber es war trotzdem genial. DAS ist
Freiheit!:p
Am Ausflugsziel angekommen saßen wir erstmal zusammen am Ufer und haben
Tereré getrunken,weil es doch ziemlich heiß war (ca. 36°C). Aber das Geniale war,
dass einer der Jugendlichen ein Quad, oder wie die Mennoniten sagen würden -
ein Vierrad, dabei hatte und mit dem über die Straße geheizt ist. Er hat dann
immer wieder welche hinten drauf sitzen lassen und ich hab mir natürlich die
Chance nicht entgehen lassen auch mal mitzufahren. Das ist echt heftig wie
schnell er fährt. Es wäre ja langweilig einfach so den Weg entlang zu fahren
und Vollgas zu geben - deshalb ist er Schlangenlinien gefahren. Das drückt so
mega und man muss sich so gut festhalten, dass ich jetzt Muskelkater in den
Armen hab. Aber es hat sich gelohnt und jetzt bin ich abgehärtet was
irgendwelche Fahrstile angeht - ich kann überall mitfahren, weil schlimmer geht
nimmer:D
Da es eine richtig klare Vollmondnacht war haben wir einen bombastischen
Sonnenuntergang erlebt. Es sah aus wie man sich das in der afrikanischen Steppe
vorstellt - einfach bilderbuchmäßig! Auf der einen Seite geht der roter Feuerball
der alles erleuchtet unter und dreht man sich um 180 Grad dann sieht man schon
den Mond aufgehen.
Der Höhepunkt des Tages kam aber danach noch - das JAGEN! Wir haben dann
auch 3 Tiere erwischt. Sehr genial! Allerdings haben wir Deutschen nur auf kleine
Kartone und leere Patronenhülsen geschossen. Mit der 22er hab ich nichts
getroffen - das ist irgendwie nicht so mein Ding. Aber die zwei Schüsse mit der
Schrotflinte saßen beide!:) Die Waffe hat zwar schon ordentlich nen Rückschlag
und ist auch richtig laut, aber da so viele Kugeln auf einmal rauskommen ist es
viel einfacher mit ihr etwas zu treffen;-)
Nach nur vier Stunden Schlaf hieß es schon wieder aufstehen und den
Gottesdienst besuchen. Dort hab ich mich gefühlt als ob wir gerade eine
Zeitreise gemacht hätten. Am Kuriosesten fand ich es, dass es einen
Gemeindedirigenten gab. Wenn die Gemeinde gesungen hat, hat er sich vorne
hingestellt und mit seinem Arm gewunken - sehr seltsam. Mir hat sich der Sinn
immer noc nicht erschlossen für was das gut ist. Außerdem ist noch zu sagen,
dass um Punkt neun Uhr der Gottesdienst beginnt und die Türen geschlossen
werden. Wenn jemand zu spät kommt muss er die Türe öffnen und jede weiß, dass
er zu spät gekommen ist. Leise in die hinterste Reihe sitzen funktioniert hier
also nicht.
Nach dem Godi ging's dann endlich zum Sonntagsschmaus - Krokofleisch!:) Das
schmeckt sooo hammer lecker! Unglaublich! Um es zu beschreiben, es ist eine
Mischung aus Fisch und Geflügel. Aber doch mit ganz eigenem Geschmack. Einfach
ultra lecker.
Nach einem ausgiebigen Mittagsschläfchen und einer erneuten Motorradrunde
ging's dann noch zum Baden ins Wasserloch. Schau dir einfach die Bilder an,
dann kannst du dir vorstellen wie viel Spaß wir dabei hatten.
Die zwei Tage Chaco waren einfach viel zu schnell vorbei. Ich glaube ich
könnte wirklich wochenlang im Chaco verbringen und mir würde es nicht
langweilig oder eintönig vorkommen. Ich liebe dieses Fleckchen Erde einfach
Dieses Wochenende war mit seinen genialen Aktionen eines der Besten die ich
je hatte. Die Leute die dabei waren sind einfach alle der absolute Wahnsinn
Das war zwar das erste Mal Chaco in meinem Leben, aber definitiv nicht das
letzte Mal. Ich komme wieder!;D